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Webentwicklung · 6 Min. Lesezeit · 18. August 2026 · Von LCM Solutions

Gute Website-Texte selbst schreiben

Beim Website-Projekt ist der Text meistens der Punkt, an dem es hakt. Die Struktur steht, das Design gefällt, und dann liegen die Seiten wochenlang halb leer, weil niemand im Betrieb Lust hat, sie zu füllen. Dabei hat kaum jemand bessere Voraussetzungen dafür als ihr selbst. Ihr führt jede Woche die Gespräche, aus denen die Texte bestehen sollten.

Der häufigste Fehler: der Text handelt von euch

Setzt euch kurz auf die andere Seite des Tisches. Jemand sucht einen Elektriker in Radebeul, klickt eure Seite an und liest als Erstes, dass die Firma 1994 gegründet wurde und sich seitdem zu einem leistungsstarken Partner entwickelt hat. Für euch steckt in diesem Satz ein Stück Stolz. Für den Besucher ist es eine Auskunft auf eine Frage, die er nicht gestellt hat.

Die Frage in seinem Kopf lautet: Macht ihr das, was ich brauche, und komme ich schnell an euch ran? Was darauf keine Antwort gibt, rutscht nach hinten. Eure Geschichte ist deshalb nicht unwichtig, sie kommt nur später dran, wenn der erste Zweifel schon ausgeräumt ist.

Ein Test, der erstaunlich zuverlässig funktioniert: geht einen fertigen Absatz durch und zählt, wie oft „wir“ vorkommt und wie oft „ihr“ oder „Sie“. Steht es fünf zu null, schreibt ihr über euch statt für den Leser. Umdrehen lässt sich das oft mit einer einzigen Umformulierung. Aus „Wir bieten Ihnen eine umfassende Beratung“ wird „Sie bekommen vorab eine Einschätzung, was der Umbau kostet und wie lange er dauert“.

Schreibt so, wie ihr am Telefon reden würdet

Viele fangen an zu schreiben und werden dabei zu einer anderen Person. Am Telefon sagt der Dachdecker: „Da müssen wir erst mal draufschauen, ob die Lattung noch was taugt.“ Auf der Website steht dann: „Im Rahmen einer fachgerechten Bestandsaufnahme evaluieren wir die vorhandene Substruktur.“ Der zweite Satz klingt seriöser und ist deutlich schlechter. Er kostet den Leser Aufmerksamkeit und liefert ihm weniger.

Der einfachste Weg daran vorbei führt über das Diktiergerät im Handy. Stellt euch vor, ein Bekannter fragt euch, was ihr eigentlich genau macht, und redet zwei Minuten frei drauflos. Danach abtippen, die Ähs raus, Sätze sortieren. Was übrig bleibt, ist meistens besser als alles, was ihr euch am Schreibtisch abgerungen hättet.

Fachbegriffe dürfen bleiben, sie brauchen nur einen Halbsatz Erklärung. Wenn auf einer Sanitärseite „Strangsanierung“ steht, gehört dahinter, dass damit der Austausch der senkrechten Leitungen durch alle Etagen gemeint ist. Kunden googeln solche Wörter selten nach, sie klicken eher weg.

Wie lang ist lang genug?

Zur Textlänge kursieren viele Zahlen, die meisten davon sind Aberglaube. Ein Text wird nicht besser gefunden, weil er tausend Wörter hat. Er wird besser gefunden, wenn er eine Frage vollständig beantwortet, und daraus ergibt sich die Länge von selbst. Als grobe Orientierung für einen normalen Betriebsauftritt hat sich das hier bewährt.

SeiteGrober UmfangWorauf es dort ankommt
Startseite300 bis 600 WörterIn den ersten drei Sätzen klar machen, was ihr macht, für wen und wo
Leistungsseite600 bis 1.200 WörterEine Leistung, der Ablauf dazu, ehrliche Angaben zu Umfang und Grenzen
Über uns300 bis 500 WörterNamen, Gesichter, Ort und ein Satz, den man nachprüfen kann
Kontaktseite100 bis 200 WörterWege zu euch und Erreichbarkeit, sonst nichts
Ratgeber-Beitrag800 bis 1.500 WörterEine Frage zu Ende beantworten statt drei nur angerissen

Suchbegriffe unterbringen, ohne dass es weh tut

Das Aneinanderreihen von Suchbegriffen hat vor fünfzehn Jahren funktioniert und schadet heute. Wer „Malerbetrieb Dresden“ in jeden zweiten Satz presst, bekommt einen Text, den Menschen nicht zu Ende lesen, und genau das messen Suchmaschinen inzwischen mit.

Was bleibt, ist unspektakulär: Nennt eure Leistung und euren Ort da, wo es ohnehin passt, also in der Überschrift, im ersten Absatz und irgendwo weiter unten im Fließtext. Dann noch die Orte, in denen ihr wirklich arbeitet. Ein Betrieb aus Freital, der in Dresden, Tharandt und Wilsdruff unterwegs ist, sollte diese Orte in den Texten stehen haben, statt pauschal „deutschlandweit“ zu behaupten.

Zwischenüberschriften lohnt es sich als Fragen zu formulieren, weil Leute genau so suchen und Suchmaschinen wie auch KI-Assistenten aus solchen Abschnitten leichter eine Antwort ziehen. „Was kostet ein Innenanstrich?“ bringt mehr als „Leistungsumfang“.

Der Durchgang, den fast alle auslassen

Der erste Entwurf ist nie der Text. Legt ihn zwei Tage weg und lest ihn dann laut vor. Jede Stelle, an der ihr stolpert oder Luft holen müsst, ist eine Stelle, an der auch der Leser hängen bleibt. Danach kürzt ihr, und zwar mehr, als sich richtig anfühlt. Aus unserer Erfahrung verträgt ein erster Entwurf gut ein Viertel weniger, ohne dass Inhalt verloren geht.

Gebt den Text danach jemandem zu lesen, der nicht vom Fach ist. Nachbarin, Sohn, Buchhalterin. Die einzige Frage lautet: Weißt du danach, was wir machen und was du tun müsstest, wenn du uns beauftragen willst? Wenn die Antwort zögert, liegt es am Text und nicht am Leser.

Zum Schluss noch zu einer Frage, die uns gerade oft gestellt wird. Ja, ihr könnt euch von einem KI-Werkzeug ein Rohgerüst schreiben lassen, und für den Anfang gegen das leere Blatt ist das brauchbar. Nur besteht der Wert eurer Texte aus dem, was nur ihr wisst: die Preisspanne aus euren letzten Angeboten, der Fehler, den Kunden in eurem Gewerk regelmäßig machen, die Frage, die im Erstgespräch immer kommt. Das steht in keinem Modell drin. Wer den generierten Text ungeprüft veröffentlicht, hat am Ende eine Seite, die klingt wie alle anderen, und manchmal auch schlicht falsche Angaben darin.

Häufige Fragen

Es gibt keine Zahl, die man treffen müsste. Wenn ihr über euer Thema schreibt, kommen die passenden Wörter von allein vor. Wichtiger ist, dass Leistung und Ort einmal in der Überschrift und einmal weit oben im Text auftauchen.

Oft ja, aber die Arbeit geht euch damit nicht ganz von der Hand. Auch ein guter Texter braucht Rohmaterial von euch, also ein bis zwei Stunden Gespräch über Abläufe, Preise und typische Kundenfragen. Wer das liefert, bekommt brauchbare Texte. Wer nur den Firmennamen schickt, bekommt Füllmaterial.

Schaut zuerst in eure Auswertung, welche Seiten überhaupt Besucher haben. Die zwei oder drei wichtigsten neu zu schreiben lohnt sich fast immer. Der Rest kann bleiben, bis ihr Zeit habt, und manche Seite darf beim nächsten Aufräumen auch ganz verschwinden.

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