Was auf eine gute Über-uns-Seite gehört
Auf vielen Firmenseiten ist die Über-uns-Seite die Stelle, an der die Luft raus ist. Die Leistungen sind beschrieben, die Kontaktdaten stehen, und dann bleibt dieser eine Menüpunkt übrig, den man noch irgendwie füllen muss. Am Ende steht dort ein Absatz über Qualität und ein Stockfoto mit Händeschütteln. Schade, denn bei den Betrieben, die wir betreuen, gehört diese Seite fast immer zu den meistbesuchten überhaupt.
Warum die Seite mehr Gewicht hat, als man ihr zutraut
Wer euch beauftragt, lässt euch ins Haus, überweist Geld im Voraus oder vertraut euch seine Daten an. Bevor jemand das tut, will er wissen, wer dahintersteckt. Das passiert selten bewusst, sondern nebenbei: kurz auf „Über uns“ klicken, zwei Sekunden schauen, weiterlesen oder wegklicken.
In den Auswertungen, die wir sehen, landet diese Seite bei kleinen Betrieben regelmäßig direkt hinter der Startseite und der Kontaktseite. Trotzdem steckt in ihr meistens die geringste Arbeit. Das ist der Punkt, an dem sich mit wenigen Stunden mehr bewegen lässt als mit einem Redesign der halben Website.
Dazu kommt ein Effekt, den wir in der Region oft beobachten: Bei Anbietern aus Dresden und dem Umland prüfen die Leute besonders genau, ob sie es mit einem tatsächlich ansässigen Betrieb zu tun haben oder mit einem überregionalen Vermittlungsportal, das nur so tut. Eine Seite mit echten Namen und einer echten Adresse klärt das in wenigen Sekunden.
Was Besucher dort wirklich suchen
Niemand kommt auf diese Seite, um eure Vision zu erfahren. Die Fragen im Kopf sind viel banaler: Gibt es euch wirklich? Wie lange schon? Wer würde bei mir vorbeikommen? Seid ihr groß genug für meinen Auftrag und klein genug, dass ich nicht in einer Warteschleife lande?
Beantwortet diese Fragen in der Reihenfolge, in der sie gestellt werden. Ganz oben ein, zwei Sätze, die klar sagen, wer ihr seid und was ihr macht. Dann die Menschen. Dann, wenn es etwas erklärt, die Geschichte. Wer es umgekehrt aufbaut und mit dem Gründungsjahr 1912 anfängt, verliert die meisten Leser, bevor sie bei den Gesichtern ankommen.
Floskeln raus, Belegbares rein
Der beste Test für einen Satz auf dieser Seite ist die Frage, ob ihn ein Mitbewerber genauso schreiben könnte. Wenn ja, kann er weg. „Qualität steht bei uns an erster Stelle“ steht auf jeder zweiten Handwerkerseite und sagt genau deshalb nichts mehr aus. Sätze, die überall stehen können, werden gelesen wie Hintergrundrauschen.
Was stattdessen wirkt, sind überprüfbare Angaben. Zahlen, Namen, Orte, Zeiträume. Nicht weil Zahlen magisch sind, sondern weil jemand, der etwas Prüfbares behauptet, sich damit angreifbar macht. Genau das nehmen Leser als Zeichen dafür, dass es stimmt.
| Häufiger Satz | Warum er nichts bringt | Was stattdessen dort stehen kann |
|---|---|---|
| Qualität steht bei uns an erster Stelle | Behauptet jeder, prüfbar ist es nicht | Zwei feste Monteure, keine wechselnden Subunternehmer |
| Der Kunde steht im Mittelpunkt | Sagt nichts über euren Alltag aus | Rückruf am selben Tag, auch bei kurzen Fragen |
| Ein eingespieltes Team aus Experten | Ohne Namen und Gesichter bleibt es leer | Vier Namen, vier Fotos, dazu wer wofür zuständig ist |
| Tradition trifft Innovation | Klingt rund, bedeutet nichts | Gegründet 1998, seit 2021 auch Wärmepumpen |
| Langjährige Erfahrung | Ohne Zahl glaubt das niemand | Seit 27 Jahren im Handwerk, seit 2015 in Dresden-Pieschen |
Menschen zeigen, ohne dass es peinlich wird
Der wirksamste Teil der Seite sind die Gesichter. Ein Foto pro Person, der Vor- und Nachname, die Rolle im Betrieb in normalem Deutsch. „Meisterin, macht die Angebote“ versteht jeder, „Head of Operational Excellence“ eher nicht. Wenn euch Nachnamen zu weit gehen, lasst sie weg, aber verzichtet nicht auf die Fotos.
Viele scheuen sich davor, weil sie eine Selbstdarstellung fürchten. Die Sorge ist verständlich und meistens unbegründet. Es geht nicht darum, sich zu inszenieren, sondern darum, erkennbar zu sein. Ein Satz pro Person reicht völlig. Wer mag, hängt eine kleine persönliche Sache dran, den Verein, das Motorrad, den Hund im Büro. Sowas bleibt hängen und macht aus einem Firmennamen einen Menschen.
Bei den Bildern gilt dasselbe wie überall auf der Seite: eigene Aufnahmen schlagen gekaufte. Ein einheitlicher Hintergrund und gleiches Licht für alle Porträts wirken ruhiger als fünf Handyfotos aus fünf Situationen. Und denkt daran, dass jemand, der den Betrieb verlässt, auch hier verschwinden sollte. Ein Teamfoto von 2019 mit drei Leuten, die längst woanders arbeiten, fällt Kunden schneller auf, als einem lieb ist.
Länge, Aufbau und der letzte Satz
Eine gute Über-uns-Seite ist kürzer, als die meisten vermuten. Für einen Betrieb mit fünf Leuten reichen zwei bis drei Bildschirmlängen am Handy. Wenn ihr eine lange Firmengeschichte habt, die wirklich etwas erzählt, packt sie in einen eigenen Abschnitt weiter unten, statt sie nach vorn zu ziehen.
Ein häufiges Missverständnis ist die Verwechslung mit dem Impressum. Das Impressum ist eine Pflichtangabe mit Name, Anschrift und Kontaktdaten und beantwortet die rechtliche Frage, wer für die Seite verantwortlich ist. Die Über-uns-Seite beantwortet die menschliche. Beide braucht ihr, und sie ersetzen einander nicht.
Am Ende gehört der nächste Schritt hin. Wer bis dorthin gelesen hat, ist überzeugt oder fast. Ein Satz mit Telefonnummer und Anfragemöglichkeit ist an dieser Stelle keine Aufdringlichkeit, sondern eine Erleichterung. Ohne ihn muss der Besucher zurück ins Menü, und ein Teil davon macht sich die Mühe nicht.
Häufige Fragen
Gerade dann. Bei kleinen Betrieben ist die Person das Angebot, und je weniger Leute dahinterstehen, desto genauer schauen Kunden hin. Zwei Fotos, zwei Namen und drei ehrliche Sätze reichen für eine sehr gute Seite.
Nur die Punkte, die etwas erklären. Gründungsjahr, Übernahme, Umzug, ein neuer Schwerpunkt. Eine Zeitleiste mit zwölf Einträgen liest niemand, drei Sätze über die wichtigsten Stationen dagegen schon.
Wenn sie in eurer Branche etwas bedeuten, ja, aber als kleiner Block am Ende. Meisterbrief, Innungsmitgliedschaft oder eine Herstellerzertifizierung sind konkrete Belege. Eine Logowand mit fünfzehn Siegeln wirkt eher unsicher als souverän.