Eigene Fotos oder Stockbilder auf der Website?
Die Texte sind fertig, die Struktur steht, und dann kommt die Frage nach den Bildern. Meistens liegt an dieser Stelle ein Ordner mit ein paar Handyfotos vom letzten Sommerfest, und die Versuchung ist groß, stattdessen schnell etwas Hochglänzendes einzukaufen. Wir raten fast immer davon ab, und das hat weniger mit Geschmack zu tun als mit dem, was Besucher aus Bildern herauslesen.
Warum Stockfotos auffallen, auch wenn sie gut sind
Das lachende Team im Glasbüro, der Handschlag vor der Skyline, die Frau mit dem Headset: Diese Bilder haben die meisten von uns tausendfach gesehen. Sie fallen nicht deshalb auf, weil sie schlecht wären, sondern weil sie überall hängen. Wer auf zwei Handwerkerseiten hintereinander dieselbe Werkstatt sieht, zieht daraus eine Schlussfolgerung über beide Betriebe, und es ist keine gute.
Dazu kommt ein Detail, das im Alltag mehr wiegt als jede Bildqualität: Menschen suchen auf einer Website nach Anhaltspunkten, ob sie es mit echten Leuten zu tun haben. Ein Foto aus einem amerikanischen Großraumbüro liefert diesen Anhaltspunkt nicht. Ein leicht unperfektes Bild eurer tatsächlichen Werkstatt schon.
Was eigene Bilder leisten
Am stärksten wirken drei Motive, und keines davon braucht ein Studio. Die Gesichter der Leute, mit denen Kunden später zu tun haben. Der Ort, an dem ihr arbeitet, also Werkstatt, Laden, Küche oder Büro. Und fertige Arbeiten, am besten die, auf die ihr selbst stolz seid.
Bei einem Dachdecker aus der Region hat allein der Wechsel von Stockbildern auf eigene Baustellenfotos die Anfragen spürbar verändert, nicht in der Zahl, sondern in der Qualität. Die Leute wussten vorher, was sie bekommen, und riefen mit konkreteren Fragen an. Ein Nebeneffekt, den wir öfter sehen: Wer erkennbar in Dresden oder im Umland arbeitet, muss weniger erklären, dass er wirklich vor Ort ist.
Vergesst dabei die unspektakulären Motive nicht. Der Eingang mit Hausnummer hilft Kunden beim Finden. Ein Bild vom Fahrzeug mit Beschriftung erkennt jemand wieder, der es schon einmal im Ort stehen sah. Solche Fotos gewinnen keinen Preis und arbeiten trotzdem für euch.
Wann Stock trotzdem in Ordnung ist
Es gibt Stellen, an denen ein gekauftes Bild niemandem schadet. Abstrakte Themen lassen sich schlecht selbst fotografieren, ein Symbolbild für einen Ratgebertext über Datenschutz ist unkritisch. Hintergründe, Texturen und Karten fallen in dieselbe Kategorie. Und wenn die Seite live gehen soll, der Fototermin aber erst in vier Wochen liegt, ist ein sauberes Stockbild als Zwischenlösung besser als eine leere Fläche.
Die Grenze verläuft dort, wo das Bild etwas über euch behauptet. Ein fremdes Team als euer Team, eine fremde Werkstatt als eure Werkstatt: Das merken Besucher öfter, als man denkt, spätestens beim ersten Besuch vor Ort. Wenn ihr Stock verwendet, achtet außerdem auf die Lizenz. Kostenlos heißt nicht automatisch frei für Werbung, und manche Portale verlangen eine Namensnennung.
| Stelle auf der Website | Besser eigenes Foto | Stock vertretbar |
|---|---|---|
| Startseite, erstes großes Bild | Ja | Nur als Übergang |
| Team- und Über-uns-Seite | Ja, unbedingt | Nein |
| Referenzen und Projekte | Ja | Nein |
| Ratgeber- und Blogartikel | Gern | Ja, als Symbolbild |
| Hintergründe, Muster, Icons | Egal | Ja |
Brauchbare Fotos ohne Fotografen
Ein aktuelles Handy reicht für den Anfang völlig aus. Wichtiger als die Kamera ist das Licht: Tageslicht von der Seite, nicht das Deckenlicht von oben und keine Gegenlichtsituation mit dem Fenster im Rücken des Motivs. Der zweitgrößte Hebel ist der Hintergrund. Zwei Minuten Aufräumen vor dem Auslösen sparen später eine halbe Stunde Bildbearbeitung.
Fotografiert im Querformat, wenn das Bild breit über die Seite laufen soll, und macht von jedem Motiv lieber zehn Aufnahmen als eine. Nutzt den optischen Zoom nicht über die Grenze hinaus, an der das Handy anfängt, digital zu vergrößern, sondern geht näher ran. Und lasst rundherum etwas Luft, damit sich das Bild später auf verschiedene Formate zuschneiden lässt.
Für Porträts der Geschäftsführung oder ein Teambild lohnt sich ein Fotograf trotzdem. Ein halber Tag kostet weniger, als viele befürchten, und die Bilder halten Jahre. Fragt vorher, ob ihr die Aufnahmen zeitlich unbegrenzt und auch für Social Media nutzen dürft, sonst steht ihr in zwei Jahren wieder am Anfang.
Rechte, Dateigröße, Alt-Texte
Sobald erkennbare Personen auf einem Bild sind, braucht ihr deren Einverständnis, bevor es online geht. Bei Beschäftigten holt man das am besten schriftlich ein, und zwar getrennt vom Arbeitsvertrag, weil es widerrufen werden kann. Kunden auf Baustellenfotos fragt man einfach kurz. Wer den Betrieb verlässt, verschwindet üblicherweise auch vom Teamfoto, dafür lohnt eine Erinnerung im Kalender. (Rechtsberatung ersetzt dieser Absatz nicht.)
Technisch ist die häufigste Sünde die Dateigröße. Ein Foto direkt aus dem Handy hat schnell fünf Megabyte, gebraucht wird ein Bruchteil davon. Auf einer Seite mit acht solchen Bildern wartet der Besucher im Mobilfunknetz spürbar, und Google merkt sich das. Moderne Formate wie WebP und ein Zuschnitt auf die tatsächlich benötigte Breite lösen das Problem meist ohne sichtbaren Qualitätsverlust.
Zuletzt der Alternativtext, also die Beschreibung, die ein Screenreader vorliest und die erscheint, wenn ein Bild nicht lädt. Er gehört an jedes Bild, das eine Information trägt. „Monteur montiert eine Wärmepumpe an der Hauswand“ ist ein Alt-Text, „bild_4711“ ist keiner. Ein sprechender Dateiname hilft nebenbei bei der Bildersuche.
Häufige Fragen
Weniger, als die meisten denken. Ein starkes Bild oben, eines pro Leistung und eine Handvoll für Team und Referenzen tragen die meisten Seiten. Zwanzig mittelmäßige Fotos wirken schwächer als sechs gute.
Meistens ja. Ehrliche Bilder schrecken selten ab, weil Kunden ohnehin wissen, wie eine Werkstatt aussieht. Wenn eine Ecke wirklich unvorteilhaft ist, fotografiert einen Ausschnitt statt des ganzen Raums.
Für Hintergründe und abstrakte Motive spricht wenig dagegen. Als Ersatz für Team- oder Referenzbilder raten wir ab: Solche Bilder erkennen inzwischen viele Leute, und der Vertrauensverlust ist größer als der gesparte Aufwand.