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Webentwicklung · 6 Min. Lesezeit · 15. September 2026 · Von LCM Solutions

Braucht eure Website eine zweite Sprache?

Die Frage taucht meistens beiläufig auf, irgendwo zwischen Farben und Kontaktformular: Ob man die Seite nicht wenigstens auch auf Englisch haben sollte. Sie klingt nach einer Kleinigkeit, nach einem Haken, den man setzt. Tatsächlich ist sie eine der wenigen Entscheidungen im Projekt, die euch danach jeden Monat Arbeit macht oder eben nicht. Deshalb lohnt es sich, kurz innezuhalten und sie richtig zu beantworten.

Die Vorfrage: Wer soll das eigentlich lesen?

Wenn wir nachfragen, wer denn die englische Fassung braucht, kommt selten ein Name. Häufiger kommt ein Gefühl: Es wirke professioneller, weltoffener, größer. Das ist verständlich, trägt die Pflege einer zweiten Sprache aber keine drei Jahre.

Fangt deshalb mit Zahlen an, die ihr längst habt. Schaut ins Postfach und zählt nach, wie viele Anfragen im vergangenen Jahr auf Englisch oder in mühsamem Deutsch kamen. Fragt die Kollegin am Telefon, wie oft sie an einer Sprachbarriere hängen bleibt. In der Google Search Console seht ihr zusätzlich, aus welchen Ländern Leute auf eurer Seite landen, und in eurer Besucherstatistik, welche Sprache deren Browser eingestellt hat. Das ist keine perfekte Messung, reicht aber völlig, um eine Größenordnung zu erkennen.

Bei den meisten Betrieben, die wir in Dresden und im Umland betreuen, fällt die Antwort eindeutig aus. Die Kundschaft ist deutschsprachig und wohnt im Umkreis von vierzig Kilometern, die zwei englischen Mails im Jahr waren Werbung aus dem Ausland. Dann ist eine zweite Sprache kein Fortschritt, sondern eine zweite Baustelle.

Wann es sich wirklich rechnet

Es gibt die Fälle, in denen die zweite Sprache Umsatz bringt, und dann ist die Entscheidung leicht. Der häufigste davon ist der Zulieferer. Rund um Dresden hängen viele kleine Fertiger, Metallbauer und Dienstleister an der Mikroelektronik und am Maschinenbau, und dort sitzen im Einkauf und in der Entwicklung Leute, deren Arbeitssprache Englisch ist. Wenn so jemand euch prüft, bevor er anfragt, entscheidet eine englische Leistungsübersicht mit ein paar Referenzen darüber, ob ihr überhaupt auf die Liste kommt.

Der zweite klare Fall ist alles, was mit Gästen zu tun hat. Pensionen, Ferienwohnungen, Gastronomie und Anbieter rund um die Sächsische Schweiz haben Besucher aus Tschechien, Polen und dem übrigen Europa, die vor der Buchung wissen wollen, wo ihr liegt, was es kostet und ob man mit Hund kommen darf. Hier reichen oft wenige, gut gemachte Seiten.

Und dann ist da die Personalsuche. In Pflege, Handwerk und Gastronomie bewerben sich längst Menschen, die noch nicht sicher Deutsch lesen. Dafür braucht ihr aber nicht die ganze Website in zwei Sprachen, sondern meistens eine einzige gute Karriereseite, auf der steht, welche Stellen offen sind, welche Sprachkenntnisse ihr tatsächlich erwartet und an wen man sich wendet. Das ist ein Nachmittag Arbeit und wirkt oft mehr als ein komplettes Übersetzungsprojekt.

Halb übersetzt ist schlechter als gar nicht übersetzt

Der Zustand, den wir am häufigsten vorfinden, sieht so aus: Startseite und Leistungen liegen auf Englisch vor, der Rest nicht. Wer auf einen weiterführenden Link klickt, landet mitten im Deutschen, das Kontaktformular fragt auf Deutsch nach dem Anliegen, und die Preisliste von vorletztem Jahr steht nur noch in der englischen Fassung, weil sie beim Aktualisieren vergessen wurde. Der Besucher hält das nicht für ein Übersetzungsproblem, sondern für einen schlampigen Betrieb.

Genau darin liegt der Schaden. Eine rein deutsche Seite ist eine klare Ansage, mit der jeder umgehen kann. Eine angefangene englische Fassung ist ein Versprechen, und dieses Versprechen löst ihr im Alltag ein oder brecht es. Wenn dann noch jemand auf Englisch anfragt und drei Tage keine Antwort bekommt, weil im Betrieb niemand gern auf Englisch schreibt, habt ihr den Kontakt schlechter behandelt als ohne die Übersetzung.

Klärt deshalb vor der ersten übersetzten Zeile zwei Dinge im Haus: Wer antwortet auf Anfragen in dieser Sprache, und wer pflegt die Inhalte nach? Findet ihr darauf keine belastbare Antwort, lasst es. Das ist kein Rückzieher, sondern eine ehrliche Kalkulation.

Welche Variante zu euch passt

Zwischen „gar nichts“ und „alles doppelt“ liegen mehrere Stufen, und die mittleren werden zu selten genutzt. Grob sortiert sieht die Auswahl so aus.

In der Praxis fahren kleine Betriebe mit der englischen Übersichtsseite am besten. Eine Seite, auf der in klaren Sätzen steht, was ihr macht, für wen, wo ihr sitzt und wie man euch erreicht. Sie ist an einem Tag geschrieben, veraltet kaum und deckt genau den Fall ab, für den die meisten eine zweite Sprache überhaupt erwägen.

VarianteAufwandWofür geeignet
Nichts tunkeinerRein lokale Kundschaft; die eingebaute Übersetzung der Browser ist für Gelegenheitsbesucher brauchbar
Eine englische Übersichtsseitegering, einmaligVereinzelte Anfragen von außerhalb; Leistungen und Kontakt auf einer Seite
Karriereseite in einer zweiten SprachegeringBetriebe, die im Ausland oder bei Zugewanderten Personal suchen
Vollständige zweite Sprachfassunghoch, und zwar dauerhaftExport, Tourismus, Zulieferung: überall dort, wo Umsatz daran hängt
Ganze Seite maschinell übersetzen lassengering, aber riskantSelten empfehlenswert, weil euch die Fehler nie auffallen: Ihr lest diese Fassung nicht

Was technisch und rechtlich dazugehört

Jede Sprache braucht eigene Adressen, üblicherweise als Unterverzeichnis wie /en/. Eine Seite, die per Schalter nur den Text austauscht, ohne dass sich die Adresse ändert, kann Google nicht getrennt in den Index nehmen, und verlinken kann sie auch niemand. Dazu gehört ein Hinweis im Quelltext, das sogenannte hreflang-Attribut: Es sagt den Suchmaschinen, dass zwei Seiten dieselbe Sache in verschiedenen Sprachen sind, damit sie den Leuten die passende Fassung zeigen und die Seiten sich nicht gegenseitig Konkurrenz machen.

Den Sprachumschalter setzt ihr sichtbar in die Kopfzeile, am besten mit dem ausgeschriebenen Namen der Sprache statt mit einer Flagge. Flaggen stehen für Länder, nicht für Sprachen, und spätestens bei Englisch, Spanisch oder Deutsch für Österreich und die Schweiz wird das schief. Verzichtet außerdem darauf, Besucher anhand ihres Standorts automatisch umzuleiten. Wer aus dem Urlaub eure Seite aufruft, will trotzdem Deutsch sehen, und Suchmaschinen kommen mit solchen Weiterleitungen regelmäßig durcheinander.

Beim Rechtlichen bleibt vieles unaufgeregt. Eine ausdrückliche Pflicht, das Impressum zu übersetzen, gibt es nicht, und die Pflichtangaben selbst, also Firmierung, Register und Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, sind ohnehin dieselben. Bei der Datenschutzerklärung ist der Maßstab die Verständlichkeit: Die DSGVO verlangt, dass ihr die Leute klar und einfach informiert. Wenn ihr euch erkennbar an englischsprachige Kundschaft richtet, gehört sie also übersetzt. Im Zweifel lasst das jemanden prüfen, der Fachtexte übersetzt, und nicht ein Werkzeug, dessen Ergebnis niemand bei euch gegenliest.

Rechnet zuletzt ehrlich mit dem, was danach kommt. Jede neue Leistung, jede geänderte Öffnungszeit und jeder neue Ratgebertext fällt zweimal an. Wer das nicht einplant, hat nach einem Jahr zwei Websites mit unterschiedlichem Stand, und die ältere davon ist die, die eure ausländischen Kunden sehen.

Häufige Fragen

Für Gelegenheitsbesucher ja. Chrome, Safari und Edge übersetzen eine normale Firmenseite inzwischen verständlich, und wer auf eurer Seite landet, ohne Deutsch zu können, benutzt das ohnehin. Schwächen zeigen sich bei Fachbegriffen, bei Preis- und Vertragsangaben und in Formularen. Für eine Zielgruppe, an der Umsatz hängt, ist es zu wenig; für den seltenen Besucher aus dem Ausland ist es völlig in Ordnung.

In den allermeisten Fällen Englisch, weil es die Zweitsprache ist, auf die sich am ehesten alle einigen können. Eine Ausnahme sind konkrete Nachbarschaften: Wer im Grenzgebiet nach Tschechien oder Polen arbeitet und dort tatsächlich Kundschaft hat, fährt mit Tschechisch oder Polnisch besser als mit Englisch. Entscheidend ist nicht die Reichweite der Sprache, sondern wer bei euch anruft.

Sauber umgesetzt nicht. Getrennte Adressen und die hreflang-Angaben genügen, damit beide Fassungen als eigenständige Seiten behandelt werden. Probleme entstehen dort, wo maschinell übersetzte Seiten in großer Zahl online gehen oder halbfertige Fassungen mit weitgehend identischem Inhalt herumliegen. Eine überschaubare, gepflegte englische Fassung kostet euch bei den deutschen Suchergebnissen nichts.

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